Was kostet Branding

Was kostet Branding? (If you’re paying peanuts you’re getting monkeys)

Wir alle haben Vorstellungen, was gewisse Dinge in unserem Leben kosten. Wenn wir zum Beispiel Milch benötigen wissen wir, dass der Discounter den Liter ab circa 60 Cent anbietet. Die Biomarke des Supermarktes hingegen bietet die Packung Milch für ungefähr € 1,10 an. Bei kreativen Dienstleistungen ist das nicht anders. Es gibt Firmen und Servicedienstleister die im Internet aggressiv mit Logos ab € 30,- werben. Tatsächlich ist dieser Preis unterirdisch und steht in keinster Relation zum Produkt. Warum Brand Identity anders als reines Grafikdesign ist und was man preislich rechnen sollte, das verrät dieser Artikel.

 

„Wenn du mehr als € 200,- für ein Logo verlangst, dann hast du deinen Job nicht verstanden“

Mit dieser Aussage wurde ich tatsächlich vor einiger Zeit konfrontiert: Ein deutscher Erfolgsautor bekommt von seiner PR-Agentur den Auftrag aus seinem Namen eine wirkliche Marke machen zu lassen. Die Bücher verkaufen sich exzellent, die Live-Vorträge sind gut besucht. So ruft mich eines Tages die Assistentin des Autors an und fragt mich nach einer Logogestaltung. Nun ist es so, dass wir Logos alleine ungern gestalten. Warum das so ist, dazu komme ich weiter unten. Ich erkläre ihr, dass Logogestaltung ein Teil eines Brandings ist, aber das wir hier unter € 1.700,- nicht beginnen. Zwei Stunden später ruft sie mich zurück und gibt mir die Antwort ihres Chefs (siehe oben).

 

Was der Billiganbieter daraus macht

Wie schon bei der Milch gibt es eine Unzahl an Anbietern, die Dinge erschreckend billig machen. In diesem Fall lies sich der Autor das Logo von einer Logo-Dumping-Plattform aus dem Web machen. Das Ganze ging dann in Produktion. Dreieinhalb Wochen später rief mich die Assistentin an. Die PR-Agentur des Autors ist fuchsteufelswild. Das Logo, das er gestalten lies, war technisch nicht richtig umgesetzt und ist in der ganzen Merchandise-Produktion „zerbrochen“. Schaden: Über € 18.000,-

Es scheint ganz, als wäre die Investition in eine fachlich gut ausgeführte Arbeit nicht ganz so falsch gewesen.

 

Was kostet Branding
Künstler unbekannt

 

Brand Identity ist mehr als Corporate Design

Brand Identity ist wesentlich mehr als nur die Gestaltung von Grafik. Im Branding wird Ihnen nicht nur kurz ein Corporate Design in die Hand gedrückt. Es wird eine komplettes Konzept erstellt, mit dem Ihre Geschäftsidentität zu einem echten Kundenerlebnis wird. Und wie Sie — intern — kontrollieren, ob Sie die richtigen Entscheidungen für die Weiterentwicklung Ihrer Kommunikation, Produkte und Services treffen. Das ist nichts, was ein Billiganbieter eben mal aus dem Ärmel schüttelt. Und die Planung dieser Dinge, die Besprechungen, Beratung, das Coaching und die Ideen dazu zu finden, die kosten natürlich auch Zeit. Stellen Sie sich also bitte die Frage, ob Sie einen geringen Anspruch an Medien haben und nur schnell mal irgendeinen Flyer möchten (Discounter-Milch) oder ob jedes Stück der Kommunikation ein Teilchen in einem perfekten Mosaik sein soll, das ihre Marke repräsentiert (Premium-Milch).

 

Was kostet Branding? Eine Beispielrechnung

Sie haben eine gewisse Vorstellung von Stundensätzen? Eine Putzfrau verlangt in der Regel zwischen € 10,- und € 20,- die Stunde. Ein Anwalt schon mal locker € 180,-. Mit Medienprofis haben Sie immer Menschen vor sich, die ein oder mehrere abgeschlossene Studiengänge mitbringen. Dazu kommt in der Regel einiges an Erfahrung im Berufsleben. Rechnen Sie also Konzeption, Beratung und Design in einer Brandingagentur mit Studensätzen zwischen € 90,- und € 150,- … manchmal sogar mehr. Je nachdem.

Der Prozess eines Brandings staffelt sich also folgendermaßen:

———Erstgespräche und langsames Vortasten an das Thema — meist kostenlos. Circa 2 Stunden.

———Vorrecherche, Marktanalyse, Mitbewerberanalyse plus Kundenworkshop, in dem Kunden die bisherige Arbeit reflektiert, Vorgänge strukturiert, Zielsetzungen und Werte geschaffen und die Weichen für die Weiterentwicklung der Marke gestellt werden — circa 12 bis 15 Stunden Arbeit.

———Konzeption eines Markenmodells. Ein Konzept, mit dem das Team intern Entscheidungen reflektiert, Mitarbeiter*innen coacht, Dienstleistungen optimiert (also echte Customer Experience schafft), das Sie mit anderen Dienstleistern planen lässt (beispielsweise mit einem Innenarchitekten ein Shopdesign planen), und das die Grundlage für alle visuellen und inhaltlichen Umsetzungen ist — circa 8 bis 17 Stunden.

———Gestaltung einer Brand Identity. Hier wird — gerade bei uns — nicht checklistenartig vom Logo nach unten gearbeitet, sondern eine ganzheitliche visuelle Identität erstellt. Hier bedingen alle Elemente einander um ein richtiges, funktionierendes System zu schaffen, das — bei richtiger Anwendung — mit Ihnen, Ihren Produkten und Services mitwächst. So ein Branding kann Verpackungsdesign enthalten, Webseiten, Visitenkarten und Briefpapier, Shop-Einrichtung, Film und Motiondesign — also alles. Deshalb müssen schon während der Gestaltung unzählige Tests laufen, die Bestätigen, dass das Designsystem funktioniert. Gleichzeitig werden erste Texte, Slogans und Inhalte entwickelt und Ihnen mit allen Elementen in einem Design-Manual überreicht — circa 70 Stunden für ein einfaches Branding.

———Präsentation und Kundentermine/Korrekturen und Änderungen — circa 20 Stunden Arbeit.

———Umsetzung von ersten Medien auf Basis des Brandings: Gestaltung von Visitenkarten, Briefpapier, Grußkarten und einer Powerpoint-Vorlage — circa 25 Stunden.

———Meetings, Konzeption, Text, Design und Development einer einfachen Website auf Basis der entworfenen visuellen Identität. Einfache CEO-Optimierung und Einschulung der Mitarbeiter*innen — circa 50 – 60 Stunden.

 

Fazit

Nun sind wir hier bei der Konzeption einer Brand Identity und der Ausarbeitung der ersten und meist benötigsten Medien bei einer Netto-Stundenzahl von circa 180 Arbeitsstunden. Bei einem Stundensatz von circa € 130,- (hier eine professionelle Branding-Agentur) kann man sich leicht selber ausrechnen, was für einen finanziellen Einsatz dies bedeutet.

 

Was benötige ich wirklich?

Die tatsächliche Frage ist „Was benötige ich und was kann ich mir leisten?“. Oft hören wir Argumente wie „Ja, aber ich hab jetzt schon total viel für die Immobilie und den Elektriker bezahlt. Wärs nicht möglich, dass ihr das erstmal so macht und später schauen wir dann, wie wir das bezahlen?“

Wie die meisten Leute, die ein Unternehmen führen, leben wir von der Arbeit, die wir ausführen. Wir müssen Miete bezahlen — privat und im Geschäft, wir müssen Versicherung, Angestellte und andere Ausgaben decken. Überlegen Sie sich also, was Sie sich wirklich leisten können und welches Ergebnis Sie selber von der Arbeit erwarten? Möchten Sie etwas von der Stange, was kurz mal für ein paar Monate funktioniert, bevor Sie merken, dass es nicht ausreicht und Sie bei Null neu beginnen müssen? Dann darf es gern vom günstigen Anbieter sein. Oder möchten Sie etwas, dass Sie auf dem Markt sofort professionell etabliert, möchten Sie Medienprofis an Ihrer Seite, die Sie gut beraten? Dann geben wir immer den Tipp ein sinnvolles Budget für Branding in den Businessplan einzuplanen. Was ist es Ihnen wert?

Bei so vielen Dingen im Leben gilt jedoch immer: If you are paying peanuts you are getting monkeys.