Moden, zu denen die Design Trends 2017 auch gehören, kann sich keiner entziehen. Zumindest nicht völlig, denn wir bekommen sie immerhin mit. Genau wie im Mode-Bereich, in Einrichtungen oder in der Kunst, gibt es im Branding und im Grafikdesign ebenso Moden, die sich abzeichnen. In erster Linie schlagen diese Trends bei den werten Design-Kolleg_innen auf. Ob diese gefallen oder nicht, das ist natürlich wie immer Geschmacksache.

KR8 bureau hat recherchiert und zusammengetragen, was sich in der Designszene tut und was sich nächstes Jahr auf dem Markt etablieren wird.

 

Super-Minimalismus

Design Trends 2017

Design Trends 2017

Design Trends 2017

 

Eine starke Bewegung lässt sich verallgemeinern: Wir mögen Minimalismus. Gestaltung wird in Aufbau und Struktur klarer und eindeutiger. Unser Auge begrüßt die Ruhe und Reduktion dieser Kompositionen. Wir wurden genug von aggressiven Filtern und Füllern gequält. Früher hieß es oft „Das sieht noch nicht fertig aus, mach da noch was rein“. Heute wird nach dem Prinzip „Weniger ist mehr“ gedacht.

Der neue Minimalismus bezieht sich hauptsächlich auf Typografie und Aufbau von Medien. Wir kehren zu einer Philosophie zurück, in der Logos aus den einfachsten Formen bestehen. Und das ist auch gut so, denn je einfacher die Form, desto einprägsamer das Signet.

Diese Art zu gestalten ist vorerst bei Designern angekommen. Das überragende Angebot des Internets und die Fülle der Eindrücke erzeugen eine Menge „Noise“. Mobilität im Internet und Milliarden von Eindrücken übersättigen unsere Reize. Darum reduzieren wir Dinge gerne wieder auf das Wesentliche und lassen die Essenz unserer Arbeit sprechen: solide, einfache und gute Gestaltung.

 

Chaos trifft Ordnung: Dadaismus-Einflüsse, Typografie-Glitches und bunter Materialmix

Die puren und reinen Gestaltungsansätze werden oft benutzt, um harte Kontraste zu erzeugen. Wir sehen eine strukturelle Überlagerung aus unterschiedlichen Materialien. Dazu kommen Glitches (durch Computerstörung erzeugte Verzerrungen) und verschwommene Typografie. Und nicht zuletzt der Trend zu faszinierenden, futuristischen oder gar leicht ekeligen Computer-Renderings.

Design Trends 2017

Design Trends 2017Design Trends 2017

Design Trends 2017

Irisierende Farben und Spiel mit Proportion

Gut erkennbar ist, dass man sich auf eindeutige Formen oder klare Abgrenzungen einlässt. Formate und Proportionen werden genau bemessen, eingeteilt und beschnitten. Innerhalb dieses Aufbaus herrscht das blanke Chaos an Farbe, Material und Struktur. Stark forciert werden irisierende Texturen: Regenbogenartige Reflexionen treffen hart auf kontrastreiche Hintergründe.

 

Design Trends 2017

Design Trends 2017

Design Trends 2017

Branding: Material und Produktionsverfahren rücken in’s Rampenlicht

Bezeichnend bei der Gestaltung von Printmedien – so auch im gesamten Produktionsverfahren innerhalb eines Brandings – ist, dass der Fokus auf der Materialbeschaffenheit liegt. Es wird stärker darauf geachtet, mit welchen Techniken gearbeitet und auf welchen Materialien gedruckt wird. Die Wahl des Materials und dessen Haptik rückt die Markenwerte in einen erlebbaren Vordergrund. Somit ist es auch gewünscht, dass Information und Gestaltung so einfach wie möglich gehalten wird.

 

Design Trends 2017

Design Trends 2017

Design Trends 2017
Design Trends 2017

Dadaismus 2.0: Elemente am Rande des Chaos

Gerade in der visuellen Führung von Medien setzt man nicht mehr auf einen klassischen Aufbau. Hauptmotive werden auf großen Gestaltungsflächen gerne zentriert. Essentielle Informationen finden in kleinen Clustern am Rande statt. Was passiert hier auf der Betrachter_innenseite? Er_sie wird durch die Aufforderung „Was passiert hier, um was geht’s hier eigentlich“ wachgerüttelt und aufgefordert einen Weg durch ein labyrinthgleiches Gebilde an Elementen zu suchen. Durch den verspielten Aufbau der Elemente interpretiert unser Gehirn diese Einladung als Herausforderung, die Spaß machen soll.

 

Design Trends 2017

Design Trends 2017

Design Trends 2017

Froh durch Störung

Distortion und Glitches bestimmen den Alltag von Logos und Schriftzügen. Ob blitzartige Computerverzerrung, chromatische Abweichung oder verschwommene Schriften: Diese Störungen und das gewollte Chaos treffen auf Prinzipien der Ordnung, um Kontraste hervorzurufen.

Organische Renderings und biologische CGI

 

 

Nach dem großen Apple-Debakel mit der gescheiterten Philosophie des Skeumorphismus (Interface mit realer Material-Imitation) tendierten Design Trends seit 2012 stark zu „Flat-Design“. Reine und pure 2D-Optik, gerne auch in einer flachen Interpretation von Räumlichkeit war der neue Standard von Ästhetik im Interface-Design. Nun zeichnet sich ab, dass wir von diesem flachen Look genug haben. Was kommt ist puristischer Aufbau von Medien in Mischung mit organischen, abstrakten Formen. Die Materialien und Strukturen sollen absichtlich verwirren: Fleischähnliche Fäden, schleimige Kugeln oder schimmelpilzgleiche Wolken strahlen in absurdesten Farben.

 

Design Trends 2017

Design Trends 2017 und kommende Farben

Wir können wie immer gespannt auf die kommenden Pantone-Farben des Jahres sein. Wenn man sich die Farbpalette der aktuellen Design Trends ansieht, erleben wir eine Palette unbeliebter und oft gemiedener Farben, die in unschönen Vermischungen jedoch interessante Paletten erzeugen. Da trifft ein strahlendes Aquamarin auf Schweinchenrosa. Fleischfarben beißen fröhlich in stahlgraue Töne. Grasgrün lehnt sich geschmeidig an Rotzgelb. Provokant gliedern sich diese Farbwelten in perfektionierte, ästhetisch pure Designkonzepte.

 

Design Trends 2017

 

Ob die Design Trends 2017 was für den allgemeinen Gebrauch sind? Vermutlich nicht. Zumindest sind sie aber, ob ihrer herausfordernden und ungewöhnlichen Konzeptmischungen, echte Hingucker. Unternehmen, die mit ihren Produkten und Botschaften am Zeitgeist sein möchten, können Elemente dieser Moden sicherlich nutzen, um ästhetisch positiv aufzufallen.

 

 


Quellen:

Baugasm Poster Serie / Vasjen Katro
Organische CGI / Beeple aka Mike Winkelmann
Irradié ID auf Behance
ekino / Design by atlas.
Organische CGI / Albert Tianxia
Minimalistisches Produkt-Branding  / visualjournal.it
D5x forever young / Michelle Wang
Primary / Dia Studio
Typo-Glitch-Poster / The Shiny SquirrelEvgeny Tkhorzhevsky
Simple Machines 01 / Doğukan Karapınar
Bregenzer Festspiele / Moodley Brand Identity