Design Globalisierung

Design Globalisierung: Kommunikation im Wandel

Design ist ein Begriff, der uns im alltäglichen Leben, beim Spazierengehen auf der Straße, beim Blättern in Magazinen, oder beim Browsen im Internet immer häufiger begegnet. Das macht eine Unterscheidung schwer: Was von allem, das wir sehen, ist denn nun eigentlich „das“ Design? Was ist das ursprüngliche Design und wie wandelt es sich? Was für eine Bedeutung hat Design für mich und meine Zukunft, gerade heute, in einer Zeit in denen wir alle den Strömungen der Globalisierung (und sich der daraus ergebenden Design Globalisierung) ausgesetzt sind?

 

Design – Ursprung & Bedeutung

Wenn wir heute von Design sprechen, denken wir an schön geformte Möbel, Haute Couture aus Paris und Mailand, Grafik-Design, Apps und futuristische technische Geräte. Genau das bringt zwei Kernfunktionen von Design zusammen:

1) Das Aussehen von Dingen
2) Die Funktion von Dingen

„Design ist die Kunst, die sich nützlich macht.“ (Carlos Obers, 1984) – Damit hatte er völlig recht, denn vor Schönheit und Ästhetik ist Design vor allem der funktionelle Aufbau eines Systems, der es in Nutzung und Effizienz auf ein höchstmögliches Niveau bringt. So können wir eigentlich behaupten, dass Design schon in der Steinzeit existierte.

 

Internationale Strömungen fließen in unsere Kultur

Im Zuge einer ersten Design Globalisierung und internationalen Anerkennung des Begriffs und dem, was wir heute am meisten damit verbinden, möchte ich gerne das Bauhaus (1919 in Weimar) nennen, das als große Institution Künstler und Architekten eine international (auch kunstgeschichtlich) akkreditierte Identität besitzt. Zwar lässt sich Bauhaus als Bewegung nicht holistisch betrachten, doch die erstmalige transdisziplinäre Arbeitsweise von Künstlern wie Paul Klee, Ludwig Mies van der Rohe und Walter Gropius war richtungsweisend für die heutige Ästhetik. So waren Maler erstmals im Rahmen der Institution auch Architekten, Tischler, Drucker und Möbelbauer. Der distinktive und nüchterne, jedoch funktionelle Stil von Möbelstücken und Häusern (wie beispielsweise dem bekannten Bauhaus Pavillion, oder den bekannten Corbusier-Sessel LC3) setzen noch heute Maßstäbe für gutes und kluges Design.

 

Das Konzept „Design“ im Wandel

In den 80er Jahren noch war „Designer-sein“ ein prestigeträchtige Sache, denn mit eigentlichem Design konnten sich damals nur die obere Schicht und gehobene Klassen identifzieren. Man wusste: Design ist teuer. Nur wer viel Geld hatte, konnte sich den distinktiven Stil angesehener Namen leisten, egal ob Eigenheim, Möbel oder Kunst.

Gegen Ende der 80er-Jahre, Anfang der 90er waren es dann Firmen wie Alessi, die es schafften Design auf den Markt der Mittelschicht zu werfen. Da Designbesitz noch unmittelbar mit höheren Klassen verbunden war, strebte jeder nach einer futuristischen Saftpresse, eines frauenförmigen Flaschenöffners oder eine Käsereibe, die heute noch benachbarte Dimensionen bereisen könnte. Auf Grundlage dieses breiten Erfolges schlich sich eine große Bandbreite an Designstücken – getragen von der schnell wachsenden Kommunikation des Internets – in unsere Häuser und Köpfe. Ende der 90er Jahre wurde Mediendesigner zum staatlichen Ausbildungsberuf – damals eine eher magere und wenig spezialisierte Ausbildung auf mehreren Gebieten, die nur einen groben Einblick ohne tiefe Spezialisierung lieferte. Grafikdesign-Studien wurden von Privatschulen, FHs und Universitäten angeboten – und das Angebot boomte. Gleichzeitig florierte das Web-Design, da sich ungeahnte Entwicklungs- und Designmöglichkeiten mit Flash und Javascript eröffneten. Die Hälfte der Kreativbranche prognostizierte „Das Web stirbt! Das ist schon wieder Sache von gestern…“. Sie sollten sich täuschen.

 

Design: Das Unwort

Mit rasanter technischer Entwicklung und dem gesellschaftlichen Bewusstsein für Design in seiner schillernden Präsenz schlichen sich über die Jahre immer mehr Apps und Software auf unsere Geräte, die uns mit kleinen Trickmitteln einen rezenten State of the Art imitieren ließen: Moderne Designelemente wie Barcodes, floorale Elemente oder spiegelnde Reflexionen, die erstmals von namenhaften Designern großes Staunen erzeugten, kullerten bei maßloser Überbenutzung und Übersättigung als Filter und Cliparts in Wordvorlagen oder Dummy-Bildbearbeitungsprogramme. Man sieht sie auch heute noch im Zuge der Design Globalisierung, beispielsweise in Comic-Sans mit exotischen Blumenmustern am hiesigen „Nageldesign-Studio Gabi“, oder in der benachbarten Ausbildungsstätte zum „Wurst-Designer“.

 

Design whatever

In der Design Globalisierung ist „Design“ ein Begriff, der eindeutig an die Grenzen seiner Belastbarkeit gelangt ist. Von der einstigen Distinktion und der Klasse des Begriffs ist heute nicht mehr viel übrig. Aus gutem Grund nennen sich viele Designer heute vermehrt wieder „Gestalter“. Designer sind heute, als Profis und Spezialisten, aufgefordert streng und hart zu navigieren. Mit lokalen, transnationalen und internationalen Märkten, dem großen Unterschied an Symbolverständnis und der durch die Übersättigung nur noch selektiven Rezeption von kommunikativen und visuellen Inhalten, sind Gestalter und Designer einmal mehr aufgefordert dem Grundsatz ihres Metiers zu den Wurzeln zu folgen: „Form folgt Funktion“ (Horatio Greenough, 1852). Gleichzeitig ist ein wachsendes Bewusstsein vom monetären Wert von Design gefragt: Viele Firmen und Internetportale bieten Designdumping: Schneller Massenabsatz von billigen aber auch wenig professionellen Lösungen. Design ist nach wie vor eine Wissenschaft und Handwerkskunst, die mehrere Disziplinen in sich vereint. Ein Designer unterläuft in seinen Projekten mehrere Phasen von Recherche, Konzeption und handwerklicher Arbeit – eine Arbeit die heute auch noch finanzieller Anerkennung würdig sein muss. Denn gutes Design, wird wie teures Tuch, maßgefertigt und „handgeschneidert“.

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